Refait – Wunder geschehen

Refait from Pied La Biche on Vimeo.

Im Taumel der letzten Wochen über dieses Juwel gestolpert (bei Anke Gröner). Da ist zum einen die irrwitzige Idee, einfach mal so ein Elfmeterschießen eines WM-Halbfinals irgendwie in urbanen Umgebungen nachzuspielen und das dann auf Splitscreen nebeneinander abzuspielen. Die Umsetzung ist großartig. Witz, Charme, Handwerk – tolle Ideen und Bilder.

Auf der anderen Seite ist es auch die Erinnerung an damals, die das für mich so faszinierend macht. Spanien 1982 war meine WM-Initiation. Aus mir nicht mehr erinnerlichen Gründen hatte ich von Anbeginn eine große Abneigung gegen Brasilien. Und ebenso unklar ist meine damalige Sympathie für Italien. In der Zwischenrunde (was für ein Relikt) kam es dann zum direkten Aufeinandertreffen, nachdem beide Argentinien besiegt hatten, bei dem das Erwachsenwerden des Superstars noch ein bisschen aufgeschoben worden war. Ich war zu dem Zeitpunkt im Trainingslager und so sah ich das Spiel zusammen mit um die 20 anderen Jungs. Und ich war der einzige, der einzige, der einzige, der für Italien war. Das war der Gipfel meines Nonkonformismus – danach ging es bergab. Mit jedem Tor, das Rossi schoss, wurde die Stimmung ungemütlicher, insbesondere für mich, ich war ja immer einer der Schmächtigen. Damals wurde aber nur auf die Oberarme gekloppt. Das war angesichts des italienischen Sieges zu verschmerzen.

Vor dem finalen Triumph gab es dann aber noch mal einen heftigen Dämpfer – eben jenes Halbfinalspiel Frankreich gegen Deutschland. Ich war glühender Gegner der deutschen Mannschaft (damals BRD), hier allerdings sind mir die Gründe noch sehr gut erinnerlich. Auch mit dieser Passion hatte ich es nicht leicht, denn ein Großteil der Mitbürger hatte das mit dem Klassenkampf nicht so richtig verstanden. Oder ich das mit der Wiedervereinigung noch nicht. War ja auch noch ein paar Jahre hin.

Jenes Spiel sah ich nicht im Fernsehen, denn es war bereits Nachtruhe in einem Klassenraum einer Schule in Neubrandenburg, der mir und meinen Kumpels während der Bezirksspartakiade als Unterkunft diente. Die Luftmatratzen knarrten. Es war heiß. Die meisten waren aufgeregt wegen der kommenden Kämpfe am nächsten Tag. Und dann gab es diesen Kassettenrekorder mit dem schlechten Radio-Empfang, den die großen Jungs dabei hatten. Was für eine Tragödie.

Und das alles ist 28 Jahre her. Schluck. Für Deutschland bin ich seit der EM 2000. Meine Sympathien für Italien verlor ich noch vor 1990. Nur bei Brasilien hat sich nichts geändert. Wir werden keine Freunde.

Ein Kommentar zu “Refait – Wunder geschehen”

  1. Jochen

    Astrein, Deine Fanbiographie!

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